Dagmar Heppner (Deutsch)

Neben zarten Linien finden sich vor allem viele Flächen. Nicht wenige wurden verspiegelt oder in dunklen, glänzenden Farben lackiert. Das hölzerne Gebaute reflektiert und wirkt verschlossen, scheint sich nach innen und von uns ab zu wenden, fast autistisch oder in sich selbst gefangen. Es sind Darstellungen und Wiederholungen der bestehenden Architektur, von Volumen und Oberflächen, oder nur mehr deren Abstrahierungen und bloße Andeutungen. Dabei immer von überzeugender Präsenz und einer gewissen konzentrierten Ruhe. Die Dimensionen können mit den Räumen, in denen sie stattfinden, mithalten, empfinden sie nach, sprengen sie bisweilen, was uns dann schrumpfen läßt, uns in einigen Fällen gar zu bedrohen scheint und zu unserem diffusen Gefühl von Abgelehntheit beitragen mag. Anderes wiederum ist kleiner und erscheint uns in Form und Größe bekannter. Erinnert an Dinge, die wir kennen: architektonische Versatzstücke, Innenräume, Einrichtungsgegenstände.
Die Konstruktionen reagieren auf die verschiedenartigen Stimmungen und Besonderheiten der Orte, zitieren oder verstärken sie – Enge wird bisweilen verengt, Höhe betont. Unsere Blicke und Wege folgen den Bewegungen der eingebauten Elemente, werden (um-)geleitet und geöffnet für das, was schon da war. Nach anfänglicher Konfrontation der geschlossenen Oberflächen entdecken wir darunter wie dahinter so manche Nische, wo eine Ahnung von Rückzug und Privatheit möglich wird. Auch tauchen vereinzelte bewegliche Elemente auf, die zu dem Gefühl des Schwankens zwischen Aggressivität und Geborgenheit, groß und klein, innen und außen passen: Platten werden mit Scharnieren schwenkbar gemacht, Latten mit Gelenken aneinander befestigt, die Dinge insgesamt flexibler und für uns (theoretisch) berührbarer, better to handle. Die gewählten Lackierungen sind teilweise farbiger geworden, wenn sie auch zurückhaltend bleiben und eine elegante Distanz wahren. In den Rot- oder Gelbtönen und dort, wo die eigentliche Textur, Farbe und Maserung des Holzes sicht- und spürbar ist, werden die Oberflächen durchlässig, fast warm und sanft. Dann können wir wieder einig mit uns sein. Doch was wir sehen, sind weder wir selbst noch ein konkretes Objekt, sondern abstrakte Gebilde, in denen der umgebende Raum, Figürliches und Gegenständliches nur als Abbilder vorhanden sind; wenn überhaupt. Wir bleiben irgendwie allein zurück. Mit uns Ideen von Möbeln, Objekten und Bauelementen, die ein seltsames Eigenleben entwickelt haben, und das ambivalente Gefühl zwischen Vertrautem und Fremdem, das sie in uns auslösen und das gleichzeitig schon immer da war.

Dagmar Heppner, 2010